Im Jahr 1922 gingen von der “Woche der Modernen Kunst” in São Paulo wichtige neue Impulse auf die brasilianische Gesellschaft aus. Gültig blieb jedoch weiterhin die Auffassung, daß Brasiliens Kultur aus der Vermischung von Rassen aus drei Kontinenten - Amerika, Europa und Afrika - hervorgegangen ist. Mit der Bewegung von 1922 setzte einerseits eine bewußte Aufwertung des afro-brasilianischen Beitrags zur Kultur des Landes ein, andererseits verfestigte sich unter Künstlern und Intellektuellen der (später allgemein gehegte) Wunsch, dem dreifachen kulturellen Ursprung Brasiliens in einer international gültigen zeitgenössischen Sprache Ausdruck zu verleihen. Einige Kritiker sind der Ansicht, die brasilianische Kultur beziehe aus dieser bewußten Hinwendung zu den lokalen Eigenheiten und deren Darstellung in einer international gültigen künstlerischen Sprache immer wieder neue schöpferische Kräfte und Eigenprägung.
Was die gestaltende Kunst betrifft, so haben Brasilianer wie Aleijadinho, Candido Portinari, Anita Malfatti und Tarsila do Amaral dazu beigetragen, in den jeweiligen Epochen eigenstaendige brasilianische Stilrichtungen zu entwickeln und zu formen. Besonders der Architekt Oscar Niemeyer und sein Partner Lucio Costa, die Planer der neuen Hauptstadt Brasilia, sind hervorragende Vertreter des kuenstlerischen Schaffens des 20. Jahrhunderts in Brasilien. Film und Fernsehen in Brasilien koennen mit einer grossen Anzahl guter Schauspieler und erfahrener Produzenten aufwarten. Dank neuer Finanzierungswege ist es gelungen, eine eigene Produktion aufzubauen. Mit packenden Handlungen und glaenzender Interpretation durch gute Darsteller sowie hervorragender Filmmusik hat Brasilien es geschafft, in die Weltspitze des Filmschaffens vorzustossen. Filme wie „Central do Brasil“ von Walter Salles und „Cidade de Deus“ von Fernando Mereilles gewannen eine Reihe internationaler Preise und sind auch in Deutschland bekannt. „Cidade de Deus“ hatte sogar 4 Nominierungen fuer einen Oscar.
| Capoeira ist ein brasilianischer Kampftanz, dessen Ursprung auf den afrikanischen NíGolo („Zebratanz“) zurückgeführt wird.Capoeira wurde während der Kolonialzeit in Brasilien von aus Afrika eingeschifften Sklaven praktiziert und weiterentwickelt. Die afrikanischen Elemente verschmolzen im Laufe der Jahre zusätzlich mit Einflüssen anderer Kampfkünste wie z. B. Ringen, Jiu-Jitsu und Wushu. Inhaltlich ist Capoeira von drei Ebenen geprägt: dem Kampf, der Musik und der „Roda“ (portugiesisch „Rad“) als gesellschaftlichem Rahmen, in dem der Kampf stattfindet. Die Kampftechniken selbst zeichnen sich durch extreme Flexibilität aus; es gibt viele Drehtritte, eingesprungene Tritte und Akrobatik. Traditionell wird zu den Kämpfen Musik gespielt, diese folgt einem Endlos-Rhythmus in verschiedenen Variationen; dazu werden passende, häufig noch aus der Zeit der Sklaverei stammende Lieder gesungen. Die Kämpfe finden immer in einer Roda statt. Diese Roda besteht aus einem Kreis von Capoeiristas und den Musikern. Immer zwei Capoeiristas kämpfen in der Roda, wobei in der Capoeira für einen Kampf der Begriff „Spiel“ verwendet wird. Eine Roda ist besonders beeinflusst von der archaischen Wucht, die der Capoeira innewohnt | ![]() |
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