Barockes Brasilien - Kultururlaub in Minas Gerais
Brasilien wurde im 18. Jahrhundert vom Goldrausch in Minas Gerais geprägt. Zur Blütezeit war Ouro Preto mit mehr als einhunderttausend Bewohnern die größte Stadt Amerikas. Alle drängten sich dicht um die Flüsse und Bergwerke, wo der Reichtum gefördert wurde, der sich in ein einmaliges Schmuckstück portugiesischer Kolonialarchitektur mit barockem Kirchenbau verwandelte. Dieses finanzielle und intellektuelle Herz Brasiliens, inmitten der Wälder des randtropischen Berglandes hieß früher Vila Rica (reiches Dorf) und wurde seiner Bedeutung wegen von der UNESCO schon 1980 als Weltdenkmalstadt zum kulturellen Erbe der Menschheit erklärt. Der gesamte Altstadtkern dieser Universitätsstadt mit seinem ursprünglichen Kopfsteinpflaster hat sich sehr gut erhalten und lädt seine Besucher ein in einem historischen Hotel (Pousada) zu übernachten und bei abendlichen Spaziergängen die verträumten Gassen und kleinen Lokale zu entdecken.
- Mariana strahlt die Ruhe des ältesten Ortes von Minas Gerais aus. Das Straßenpflaster aus runden Flusssteinen ziert den Altstadtkern und ist ebenso einmalig wie die aus Speckstein geschnitzten Balkongitter in der Rua Direita. Das erste Dorf von Minas Gerais hieß ursprünglich Vila Real de Nossa Senhora do Carmo. 1745 ernannte der portugiesische König Dom João V. diesen neuen Bischofssitz zur Stadt und gab ihr, zu Ehren seiner Gattin Dona Maria Ana von Österreich, den Namen Mariana
Antônio Francisco Lisboa schnitzte die 12 Propheten aus Speckstein und 66 Figuren des Passionsweges aus bemaltem Zedernholz, die als Meisterwerke der Bildhauerkunst gelten. Zur Arbeit mussten dem kranken Künstler - der fortan Aleijadinho genannt wurde - seine Schnitzwerkzeuge an die Hände gebunden werden. Nur so konnte er das Werk 1805, im Alter von 75 Jahren beenden. Diese Skulpturen vor der Basilika Bom Jesus do Matosinhos stellen den bedeutendsten barocken Kunstschatz Brasiliens dar.
Eine Dampfeisenbahn aus dem 19. Jahrhundert führt ihre Reisenden zwischen São João del Rei und Tiradentes zurück in die Vergangenheit und gibt aufmerksamen Beobachtern die ungewohnten Perspektiven und Geheimnisse der reizvollen Landschaft von Minas Gerais preis.
In Tiradentes fühlt man sich sofort wohl. Romantisch, einladend und erholsam diesen entzückend kleinen Ort muß man kennen lernen. Von allen Goldgräberstädten ist Tiradentes mit seinen nur fünf tausend Einwohnern die kleinste . Ausgezeichnete Übernachtungsmöglichkeiten, das ungewöhnliche Pflaster, die nächtliche Beleuchtung und viele gute kleine Gaststätten verführen zum nächtlichen Ausgehen. Schon 1702 entstanden entlang des Rio das Mortes die ersten Ansiedlungen wo Joaquim José da Silva Xavier , Held der ersten republikanischen Freiheitsbewegung (Inconfindência Mineira) lebte. Als Tiradentes oder Zahnzieher bekannt, wurde er als Anführer des geplanten Aufstandes gegen Portugal verraten, festgenommen und nach dreijähriger Gefangenschaft zum Tode verurteilt und am 21. April 1792 hingerichtet .